Diese verdammte Frau Adél.
Vielleicht klingt es seltsam, eine Vorstellung so zu beginnen, aber genau hier beginnt meine Geschichte.
Ich komme ursprünglich aus Ungarn, und schon als Kind habe ich sehr gerne gezeichnet. Zeichnen war für mich immer eine Art Sprache, mit der ich Dinge ausdrücken konnte, für die mir manchmal die Worte fehlten.
Als ich die Grundschule abgeschlossen hatte, ging ich zu meiner ehemaligen Zeichenlehrerin zurück, um sie um Rat zu fragen. Ich wollte wissen, wie ich mich ernsthafter mit dem Zeichnen beschäftigen könnte, welche Kurse sie empfehlen würde oder ob ich vielleicht bei ihr lernen könnte.
Sie antwortete ehrlich.
Das hat mich damals komplett getroffen.
In solchen Momenten versteht man noch nicht, wie schnell und wie stark ein einziger Satz das Leben eines Menschen verändern kann.
Jahrelang habe ich nicht mehr gezeichnet.
Dann fand ich eine Gruppe von Menschen, die mich wieder ans Zeichnen herangeführt haben. Es kamen durchgemalte Nächte, Skizzen, Freiheit — und das Gefühl, endlich wieder ich selbst zu sein.
In dieser Zeit spürte ich zum ersten Mal wieder: Ich bin angekommen. Ich bin wieder da. Ich bin genau da, wo ich sein soll.
Später zog ich nach Deutschland und lernte in einer Schule einen Beruf, den ich eigentlich gar nicht machen wollte. Aber man musste ja irgendwie seinen Lebensunterhalt verdienen.
Wenn ich mir etwas wirklich in den Kopf setze, lässt es mich nicht mehr los.
Ich konnte nicht akzeptieren, mein Leben zu leben, ohne wenigstens zu versuchen, den Weg zu gehen, der mich wirklich interessiert.
Dann hatte ich Glück.
Über meine Schwester lernte ich einen Tätowierer kennen: András Gombos. Er hat mich am Anfang auf diesem Weg begleitet. Von ihm bekam ich mein erstes Tattoo-Equipment, meine ersten Kunsthäute und meine ersten ernsthaften fachlichen Ratschläge.
Er lebte damals in der Schweiz, ich in Deutschland, deshalb haben wir oft telefoniert – aber wir blieben immer in Kontakt. Bis heute unterstützen wir uns gegenseitig fachlich.
Deshalb möchte ich auch meiner Schwester danken, dass sie uns zusammengebracht hat. Aber nicht nur dafür. Sie hat mich auch darin unterstützt, in die Schweiz zu ziehen und daran zu glauben, dass dieser Weg funktionieren kann.
Und natürlich auch den Menschen, die von Anfang an an mich geglaubt haben: meiner Mutter – die für viele von uns der grösste Rückhalt im Leben ist – und meinem Stiefvater, der mich in jeder Hinsicht unterstützt hat, auch finanziell, damit ich diesen Weg beginnen konnte.
Nachdem ich mein erstes Tattoo-Equipment bekommen hatte, begann das eigentliche Üben.
Zuerst übte ich auf Kunsthaut. Als das einigermassen funktionierte, kam der nächste Schritt: Schweinehaut. Wer das schon einmal ausprobiert hat, weiss, dass das eine ganz eigene Atmosphäre hat … und auch einen ganz eigenen Geruch.
Zu Hause richtete ich mir ein kleines Tattoo-Zimmer ein, in dem ich üben konnte.
Als ich das Gefühl hatte, dass es Zeit ist, den nächsten Schritt zu machen, brauchte ich echte „Modelle". Vor dem Laden standen immer ein paar Alkoholiker, die für ein oder zwei Bier gerne zugelassen haben, dass ich auf ihnen übe. Ich habe das Bier bezahlt – sie haben die Haut gestellt. So habe ich wirklich angefangen zu lernen.
Am Anfang musste ich mir vieles autodidaktisch beibringen. Buch für Buch, Kurs für Kurs habe ich Zeichnen gelernt. Ich versuchte, Proportionen, Formen und Linien zu verstehen.
Und das Lernen hat bis heute nicht aufgehört.
Schliesslich bekam ich die Möglichkeit, im Red Corner Tattoo – Uelzen zu arbeiten. Dort blieb ich zwei Jahre und habe unglaublich viel gelernt. Ich bin dem Studio sehr dankbar für diese Chance – und auch den Kunden von damals, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, während ich mich weiterentwickelte.
Nach etwa zwei Jahren begann ich, regelmässig in die Schweiz zu fahren, um von András Gombos zu lernen.
Eines Tages waren wir in Zürich auf dem Zürichsee mit einem Boot unterwegs. Ich sass mitten auf dem See, umgeben vom Wasser, mit den Alpen im Hintergrund – und dieser Ruhe.
Ich werde in die Schweiz ziehen.
Der Anfang war allerdings nicht einfach.
Als Ausländer ist es in der Schweiz nicht leicht, Fuss zu fassen. Ich habe sogar als Pizzalieferant gearbeitet, nur um bleiben zu können und weiter tätowieren zu dürfen. Ich ging von Studio zu Studio. Es gab gute Erfahrungen und schwierige Zeiten. Es gab Momente, in denen ich dachte, dass es hier vielleicht endet.
Aufzugeben hätte mehr wehgetan, als es noch einmal zu versuchen.
Also machte ich weiter. Immer wieder.
Und schliesslich kam ich an den Punkt, an dem ich mein eigenes Studio eröffnen konnte:
BERKUNST TATTOO – UTZENSTORF
Dort arbeite ich heute noch. Und ich habe nicht vor, es zu schliessen.
Jetzt, wo ich erzählt habe, wer ich bin, ist es vielleicht auch wichtig zu sagen, wer ich nicht bin.
Kein Death Metal, kein Chaos, kein ständiges Kommen und Gehen. Bei mir herrscht eine ruhige, entspannte Atmosphäre — damit du dich vom ersten Moment an wohlfühlst.
Tätowieren ist für mich keine Fliessbandbarbeit. Es ist ein besonderer Moment.
Ein Tattoo ist für mich nicht nur ein Gedanke auf der Haut. Es ist eine Emotion, die der Kunde mitbringt – und die wir gemeinsam in ein Bild verwandeln.
Mein Ziel ist, dass wir nach dem Design-Termin beide zufrieden vom Tisch aufstehen – du und ich.
wenn es dich widerspiegelt – nicht mich.
Und zum Schluss möchte ich noch jemandem danken.
Frau Adél.
Der Lehrerin, die einmal sagte, dass ich nicht genug Talent hätte.
Wenn der Erfolg leicht gewesen wäre, wäre er vielleicht nicht so süss.
Wenn ich nicht so hart dafür hätte arbeiten müssen, würde ich ihn vielleicht nicht so sehr schätzen.
Manchmal reicht ein einziger Satz, damit jemand beschliesst, das Gegenteil zu beweisen.