DIE SCHMERZHAFTESTEN STELLEN — UND MEINE EIGENE THEORIE DAZU
Aus eigener Erfahrung: die Innenseite des Arms und die Innenseite des Oberschenkels tun brutal weh. Mir zumindest haben sie sehr wehgetan.
Ich habe da eine eigene Theorie. Mir ist aufgefallen, dass viele Stellen, an denen eine ernste Verletzung gefährlich sein kann — Schädel, Wirbelsäulen-Nähe, Innenarm, Innenoberschenkel, Nähe grosser Blutgefässe — besonders empfindlich sind. Meine Vermutung: an diesen Stellen sitzen vielleicht mehr oder empfindlichere Nervenenden, als würde der Körper sie stärker "schützen" wollen.
Eine konkrete medizinisch-wissenschaftliche Erklärung oder einen Beweis dafür habe ich nicht gefunden. Das ist meine eigene Theorie und Beobachtung, keine medizinische Tatsache.
DIE AM WENIGSTEN SCHMERZHAFTEN STELLEN
Wieder aus eigener Erfahrung: die Aussenseiten der Gliedmassen sind einfacher. Aussenseite Oberschenkel, Aussenseite Oberarm — solche Stellen.
Die waren für mich deutlich leichter zu ertragen als die Innenseiten. Praktischerweise sind das auch beliebte Tattoo-Stellen, weil sie gut sichtbar und auffällig sind — viele lassen sich dort gern etwas stechen.
FRAUEN UND MÄNNER — GIBT ES EINEN UNTERSCHIED?
Auf jeden Fall.
Meiner Erfahrung nach sind Frauen wahre Kämpferinnen. Sie ertragen Schmerz deutlich besser als Männer. Von mir selbst ausgehend: manchmal halte ich nicht so viel aus, wie eine Frau locker durchsitzt.
Ich glaube, das kann sogar einen evolutionären Grund haben, etwa wegen der Geburt — der weibliche Körper ist von Natur aus auf einen Prozess mit brutalem Schmerz vorbereitet. Das sage ich als meine eigene Einschätzung. Meine praktische Erfahrung ist: Frauen sind in der Schmerztoleranz oft härter als Männer.
ZUSTAND DES TAGES — WAS BEEINFLUSST, WIE SEHR ES WEHTUT
Alles beeinflusst es.
Bist du nicht ausgeruht, nervös, hast dich mit deinem Partner gestritten, stresst dich irgendein Geldthema, bist verkatert oder dein Nervensystem ist einfach überladen — das alles trägt zum Schmerz beim Tätowieren bei.
Je überlasteter dein Nervensystem ist, desto weniger Reserve bleibt dir. Zum Tätowieren solltest du ausgeruht, satt und in normalem körperlich-mentalem Zustand kommen. Mehr braucht es nicht.
WAS ICH VON BETÄUBUNGSCREME HALTE
Ich mag sie nicht.
Der eine Grund ist fachlich: es arbeitet sich für mich deutlich schlechter damit. Die Haut kann aufweichen, aufquellen, sich wässriger oder schwammiger anfühlen, und ich finde es dadurch deutlich schwieriger, die Farbe sauber einzuarbeiten.
Der andere Grund: ich mag auch die Situation nicht, wenn jemand am Anfang fast nichts spürt, und dann, wenn die Wirkung der Creme nachlässt, das Tattoo plötzlich sehr heftig spürt.
Manche Betäubungscremes enthalten zudem starke Wirkstoffe, teils sogar gefässverengende Zusätze — damit will ich nicht leichtfertig experimentieren.
Ich sage lieber: machen wir eine kürzere Sitzung, machen wir eine Pause, komm in drei Wochen zurück, und wir machen weiter. Lieber das, als wild draufzuschmieren.
WAS ICH SELBST TUE, UM ES DIR ANGENEHMER ZU MACHEN
Klar gibt es das. Meinen ganzen Arbeitsablauf versuche ich so zu gestalten, dass die Sitzung so sicher und erträglich wie möglich ist.
Ich achte darauf, wie du liegst oder sitzt, wann du eine Pause brauchst, in welchem Zustand du bist, und wie ich die Arbeit so angenehm wie möglich durchführen kann.
Ein konkreter "Trick" ist immer situationsabhängig. Es gibt kleine Dinge bei Essen, Trinken, Energiezufuhr, die sich bei mir bewährt haben — zum Beispiel kommt bei mir auch mal eine Banane zum Einsatz —, aber der Kern ist kein Zaubertrick, sondern dass ich dich die ganze Zeit im Auge behalte.
WENN JEMAND BLASS WIRD ODER IN PANIK GERÄT
Während der Arbeit ist Panik eher selten — häufiger passiert es am Anfang der Sitzung, dass jemand blass wird oder sich unwohl fühlt.
Dann warten wir. Ich lege dich schön flach hin, es gibt Traubenzucker, Cola, Wasser, alles was gebraucht wird, und ich beruhige.
Viele glauben, das passiere nur ihnen — grosser Irrtum. Das kommt vor. Es ist eine starke Nervensystem-Belastung, besonders bei jemandem, der zum Ohnmächtigwerden neigt, Angst hat oder sehr nervös ist. Kein Drama. Das lernt man über die Jahre zu handhaben, das gehört zum Beruf dazu.
DER MENSTRUATIONSZYKLUS UND DER SCHMERZ
Eine konkrete, systematische Erfahrung habe ich dazu nicht, weil ich Gäste nicht ständig frage, ob sie gerade ihre Periode haben.
Ich habe einen Fragebogen, in dem so eine Frage vorkommt, nutze ihn aber nicht in jeder Situation. Ich habe schon gehört, dass jemand während der Periode empfindlicher sein oder stärker bluten kann, und es gab wohl auch bei mir einen Fall, wo jemand stärker geblutet hat als üblich, und sich hinterher herausstellte, dass sie ihre Periode hatte.
Daraus will ich aber keinen grossen Schluss ziehen. Ich menstruiere nicht selbst und habe nicht genug konkrete Erfahrung, um dazu etwas Sicheres zu sagen.
WARUM DER TAG DAVOR GENAUSO WICHTIG IST
Sehr wichtig.
Je besser sich dein Körper fühlt, desto besser wirst du den Schmerz aushalten, und desto bessere Bedingungen gibst du deinem Körper für die Heilung.
Es schadet nicht, wenn du auch zwei, drei Tage vorher nicht versuchst, von einer Rave-Party kommend zu überleben. Ausgeruht sein, normal essen, normaler Zustand. Das ist der Kern.
MEDIKAMENTE VOR DEM TÄTOWIEREN
Aspirin zum Beispiel beeinflusst die Blutgerinnung, deshalb mag ich es nicht, wenn jemand einfach so damit tätowieren kommt.
Nimmst du regelmässig irgendein Medikament, das für das Tätowieren relevant sein könnte, geh zu deinem Hausarzt oder behandelnden Arzt, bespreche es, und sag mir danach auch, was du nimmst.
Im Fragebogen frage ich das ebenfalls ab. Sehe ich, dass jemand ein Medikament nimmt, bei dem meiner Meinung nach zuerst ein Arztgespräch nötig gewesen wäre, und das nicht gemacht wurde, tätowiere ich an dem Tag nicht. Dasselbe gilt, wenn jemand sichtbar unter dem Einfluss irgendeiner Substanz steht — dann tätowiere ich nicht.
Das ist keine reine Absicherung meinerseits. Ich will einfach nichts Schlimmes für dich riskieren. Bei Gesundheitsfragen ist der Arzt zuständig, nicht ich.
WENN JEMAND SAGT: "ICH KANN NICHT MEHR"
Dann machen wir nicht weiter.
Sehe ich, dass es nicht mehr blosses Unbehagen ist, sondern wirklich brutal wehtut und die Reserven aufgebraucht sind, quäle ich dich nicht weiter.
Das ist keine Pflicht, kein Wettbewerb, es gibt kein "das musst du jetzt unbedingt durchsitzen". Wir suchen einen neuen Termin, fertig.
Ich habe Gäste, die ich schon seit Jahren tätowiere, und manchmal haben sie einfach einen Tag, an dem es nicht geht. Dann hören wir auf, lachen noch was, reden weiter, und besprechen den nächsten Termin. Kein Drama.
DER MYTHOS MIT DER WEISSEN FARBE
Sehr viele sagen, weisse Farbe tue mehr weh. Ich kann das für sich genommen nicht bestätigen.
Ich glaube, viele empfinden das so, weil Weiss meistens am Ende eines Tattoos kommt. Bis dahin ist die ganze Fläche schon bearbeitet, die Haut empfindlich, und dann gehe ich mit etwas Weiss noch mal hin und her, arbeite eine bereits gereizte Fläche mehrfach neu durch.
Klar tut das weh.
Ich habe auch die Idee, dass weisses Pigment sehr dickflüssig ist und es dabei technische Unterschiede geben könnte, behaupte das aber nicht als sichere Tatsache. Ich glaube, nicht die Farbe Weiss selbst ist der Punkt, sondern wann und in welchem Zustand die Haut ist, wenn sie gestochen wird.
WENN JEMAND VOR DEM ERSTEN TATTOO ANGST VOR DEM SCHMERZ HAT
Ich sage: du musst dir nicht so viele Sorgen machen.
Gerade das erste Tattoo ist oft eine kleinere Arbeit, relativ schnell fertig. Ich glaube, nicht der Schmerz selbst ist das Schwerste, sondern die Zeit. Sitzt du vier Stunden unter der Nadel, kann es nach vier Stunden natürlich brutal wehtun.
Das Gefühl selbst ist grundsätzlich gut auszuhalten. Eher ein nerviges, brennendes, zwickendes Gefühl, an das sich der Körper relativ schnell gewöhnt. Eine zwei- bis dreistündige Arbeit ist meiner Meinung nach völlig machbar.
PAUSEN — WIE OFT, UND WER ENTSCHEIDET
Du kannst jederzeit sagen, dass du auf die Toilette musst, trinken musst, oder ein paar Minuten Pause brauchst.
Ich selbst stehe gern etwa stündlich für ein paar Minuten auf, und sei es nur für drei Minuten. Ich mag es nicht, stundenlang ohne Unterbrechung ins selbe Motiv zu starren.
Ich spüre selbst den Punkt, an dem auch ich kurz vom Werk weggehen muss, um danach mit frischem Blick zurückzukommen.
HÄUFIGE FRAGEN
WELCHE KÖRPERSTELLE TUT AM MEISTEN WEH?
Aus eigener Erfahrung die Innenseite des Arms und die Innenseite des Oberschenkels. Nandis eigene Theorie: Stellen nahe an wichtigen Strukturen — Schädel, Wirbelsäule, grosse Blutgefässe — scheinen empfindlicher zu sein.
SOLL ICH BETÄUBUNGSCREME VERWENDEN?
Nandi rät davon ab. Die Haut wird schwerer zu bearbeiten, und wenn die Wirkung nachlässt, kann der Schmerz umso heftiger einsetzen. Lieber kürzere Sitzungen und Pausen.
WAS, WENN ICH WÄHREND DER SITZUNG NICHT MEHR KANN?
Dann wird aufgehört. Es gibt keinen Zwang, durchzuhalten — ein neuer Termin wird vereinbart, ohne Drama.
TUT WEISSE FARBE WIRKLICH MEHR WEH?
Wahrscheinlich nicht die Farbe selbst — sie kommt meist am Ende, wenn die Haut bereits gereizt ist, das erklärt den Eindruck.
WIE BEREITE ICH MICH AUF DEN SCHMERZ VOR?
Ausgeruht, satt und in normaler körperlicher und mentaler Verfassung kommen — schon zwei bis drei Tage vorher zählen, nicht nur der Morgen selbst.
HAST DU FRAGEN VOR DEINEM TERMIN?
Schreib mir, wir reden ehrlich darüber.
Berkunst Tattoo — Unterdorfstrasse 7, 3427 Utzenstorf